Jüngere Sänger fehlen

ERKELENZ Der Stadtmusikbund Erkelenz hat in nun bald elf Jahren seines Bestehens heftige Stürme erlitten. Doch Gedanken an eine Auflösung wie vor vier Jahren sind vom Tisch. Das bestätigten die Vorsitzende Karin Heinze und ihr Stellvertreter Gerd Quedenbaum beim "Kulturgespräch" in der Redaktion der Rheinischen Post.

Warum zurückblicken, wenn es genügend Aufgaben und auch Probleme gibt, bei denen der Stadtmusikbund seine 21 Mitgliedsvereine gerne unterstützen möchte, lautet die Devise. Wo drückt denn die Erkelenzer musiktreibenden Vereine der Schuh?
Beispielweise beim Generationenproblem der Traditionschöre
„Schon Sänger im Alter wischen 40 und 50 Jahren gelten in vielen Männerchören als jung" vor allem der Männergesangvereine, sagt Peter Meisen, Vorsitzender des MGV Liedertafel Holzweiler.
Obwohl selbst Senior und leidenschaftlicher Sänger seit 43 Jahren, der die Tradition der im Ortsleben verwurzelten Chorgemeinschaften schätzt, sieht Meisen sehr realistisch das brennende Nachwuchsproblem der überalterten Männerchöre.
„Schon Sänger zwischen 40 und 50 gelten bei uns als jung."
Wenn wir nicht Jüngere gewinnen, wird es unseren Chor bald nicht mehr geben", sagt er.
Beim traditionellen Karnevalsabend der Liedertafel, der jedes Jahr ein Renner sei, habe er deshalb der närrischen Stimmung einige ernste Töne über das Nachwuchsproblem
beigemischt und die Werbetrommel gerührt.
Immerhin zwei Interessenten mittleren Alters hätten sich gemeldet - schon ein Erfolg.
Auch Gründe für das bekannte Problem nennt Meisen: „Die Traditionschöre haben verpasst, Kinder- und Jugendchöre zu bilden, aus denen sie später den Nachwuchs zie­hen können." Und Gerd Queden­baum, Mitglied des Männergesang­vereins Erkelenz, bestätigt, dass et­liche
Instrumentalvereine den Tra­ditionschören vormachen, wie es besser geht.
Was machen die denn anders und besser? „Nun, deren Repertoire ist moderner und zeitgemäß arrangiert, spricht junge Leute an", sagt Quedenbaum.
„Während es bei Chören wie unserem sehr schwer ist, vom althergebrachten Schwer­punkt Volksliedkultur abzugehen", ergänzt Meisen. Er nennt Berüh­rungsängste der Älteren zu
fremd­sprachigen Texten, etwa bei Gos­pel- oder Musical-Stücken. „Und auch die fremde Rhythmik und das Einbeziehen von Bewegung macht Schwierigkeiten", weiß Queden­baum.
Viele traditionelle Chöre präsentierten sich halt zu seriös - das schrecke Jugendliche ab.
Neue Akzente bei Chorauftritten etwa durch Bewegung oder Konzertmo­deration möchte der Stadtmusik­bund Mitgliedern durch Workshops näherbringen.
Hubert Hurtz leitet als engagierter Autodidakt mit langer Sängererfahrung (auch bei der Liedertafel) den Chor Gospel Voices in Holzweiler, der seit knapp zehn Jahren ein Alternativrepertoi­re pflegt, die Mitglieder sind mittle­ren Alters. Doch auch hier fehlt die Altersgruppe,
die etwa zu „Rejoi-sing" strömt.
Die Holzweiler Gospelfreunde, die Gottesdienste und Ortskonzerte mitgestalten, konzentrieren sich aufs Singen in familiärer Gemeischaft.
„Kein Musikfreund muss bei uns vorsingen, die Gemeinschaft trägt auch den nicht so exzellenten Sänger", sagt Hauptschullehrer Hurtz zur Philosophie seiner Chorarbeit.

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