Zukunft der Männerchöre

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
kein Werkschor mehr in Erkelenz ab Anfang 2018 - und welchen Männerchor trifft es als nächstes? Als ich vor einigen Tagen beim Abschiedskonzert am Flügel saß, war ich mir der Tatsache bewusst, dass die Gründe für das Ende auch andernorts zu einer ähnlichen Entwicklung führen dürften:
 
Sicherlich war in der Vergangenheit die Gattung des klassischen Männerchors angesichts eines kleineren Freizeitangebots überdurchschnittlich stark präsent, soweit man den Vergleich mit anderen Chorgattungen (Frauenchor, gemischter Chor) heranzieht. Aber ab welchem Stadium spricht man von "Gesundschrumpfen" und ab wann vom "Chorsterben"?
 
Nein - sinnvoller ist es, das gemeinsame Singen von Männern wieder mit positiven Attributen zu versehen und das Machbare herauszustellen. Dazu ist der Ist-Zustand unter realistischen Voraussetzungen zu berücksichtigen - vorrangig vor dem Hintergrund der vorhandenen Altersstruktur:
  • Sind noch Mitglieder mittleren Alters und mit "junggebliebenen" Wesenszügen in nennenswerter Zahl vorhanden? Dann spreche man Interessenten dieser Altersgruppe gezielt und persönlich an und werbe mit der aktuellen Ausrichtung des Repertoires
  • Sind praktisch alle Mitglieder in hohem Lebensalter angekommen, fühlen sich jüngere Sänger als Einzelmitglieder in einem solchen Umfeld erfahrungsgemäß nicht mehr heimisch. Dann wäre zu überlegen, ob man den Verein nicht als Seniorenprojekt mit Repertoire führt, dass entsprechenden strukturellen Vorgaben Rechnung trägt. Der Schwierigkeitsgrad ist so zu wählen, dass auch Neueinsteiger höheren Alters Erfolgserlebnisse erwarten können, zumal auch die erfahrenen Sänger diese Literatur neu einstudieren müssen
  • Ist der Verein unumkehrbar überaltert und nicht mehr zu Veränderungen zu bewegen, bleibt leider nur die Möglichkeit, sich in der Kunst des Loslassenkönnens zu üben. Viele Mitglieder halten am klassischen Chorgesang und am deutschen Volkslied nicht aufgrund inniger Bindung an diese Genres fest, sondern schlicht und ergreifend, weil degenerative Prozesse in Geist und Körper allenfalls die Beschränkung auf Inhalte ermöglichen, die aus dem Langzeitgedächtnis zumindest teilweise abrufbar sind. Neues wird abgelehnt, weil das Erlernen zu mühsam oder praktisch nicht mehr möglich ist. Klassische Chorliteratur ist zumeist für geschulte jüngere Stimmen komponiert worden - allerdings kann man sich bei Beibehaltung solcher Literatur lange Zeit suggerieren, alles sei noch so wie früher. Wehe, es kommt dann ein Chorleiter daher, der einem Sänger mit sechzigjähriger Vereinserfahrung seine Schubert-Sätze wegnehmen will. Solche Dirigenten sind dann etwa genauso angesehen, als wenn sie ihren Sängern den Ratschlag erteilen wollten, besser ins Altersheim zu ziehen... .
Bei meinen Chören erlebe ich es des öfteren, dass es auch anders funktionieren kann. Grundsätzlich ist das Singen im Seniorenchor mit nicht geringerem Potenzial behaftet als das von Kinder- und Jugendchören, eher im Gegenteil. Wenn man dann als Chorleiter noch der schreibenden Zunft zuzurechnen ist, lässt sich mit dieser Gattung einiges bewegen. Selbst in den aktuellen Hitparaden befindliche Titel (die auch in deutscher Sprache sein können) sind bei fachkundiger Bearbeitung für Chöre jeglicher Altersstruktur bestens machbar.
 
Mit herzlichen Sangesgrüßen
Ihr Frank Scholzen

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Kommentare: 1
  • #1

    Heinze Karin (Mittwoch, 22 November 2017 00:28)

    Hallo lieber Frank,
    vielen Dank für Deinen sehr kompetenten Bericht
    über das Aussterben der Männergesangvereine.

    Ich fand Deinen Bericht sehr interessant!
    Herzlichen Gruß
    Karin Heinze

              www.erkelenz.de
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