Männerchor singt seit 175 Jahren

Die Chormitglieder Horst Beck (v.l.), Peter Goertz, Günter Hoffmann und Heinz Dickert sprechen über die Zukunft des Städtischen Gesangvereins 1843 Erkelenz. Foto: kule
Die Chormitglieder Horst Beck (v.l.), Peter Goertz, Günter Hoffmann und Heinz Dickert sprechen über die Zukunft des Städtischen Gesangvereins 1843 Erkelenz. Foto: kule

 

Erkelenz. Mit einem Konzert feiert der Städtische Gesangverein 1843 Erkelenz sein Jubiläum, das allerdings auch mit Sorgen verbunden ist: Es fehlt an Nachwuchs. Die Hoffnung aber ist, mit dem Konzert neue Sänger ansprechen zu können.

 

Von Kurt Lehmkuhl

 

Mit einem Konzert feiert der "Städtische" in wenigen Tagen sein stattliches Jubiläum. Der Männergesangverein aus Erkelenz wird 175 Jahre alt und zählt damit nach eigenen Angaben zu den ältesten Männerchören in Nordrhein-Westfalen. Doch ist das Jubiläum nicht nur mit Freude, sondern auch mit Melancholie verbunden. "Es dürfte unser letztes sein", bedauert etwa Heinz Dickert, der Kassierer des Städtischen Gesangvereins 1843 Erkelenz. "Wir sind nur noch 13 Aktive", erklärt der stellvertretende Vorsitzende Horst Beck. "Ohne unsere Chorgemeinschaft mit dem Männergesangverein Concordia Lövenich wäre ein Auftreten fast nicht möglich."

Neben der geringen Zahl der Sänger ist es vor allem die Altersstruktur, die dem "Städtischen" zu schaffen macht. Nur die Hälfte der Mitglieder ist jünger als 80 Jahre alt, drei haben die 70 noch nicht erreicht. Peter Goertz, der seit fünf Jahren Vorsitzender des Vereins ist, beklagt ein Phänomen, unter dem viele Vereine zu leiden haben: "Uns fehlt der Nachwuchs."

Und es hat nicht den Anschein, als könne es noch einmal einen Aufschwung geben, der den "Städtischen" zum 200-jährigen Bestehen treibt. "Unser Hoffnung, dass nach dem Ende des Männergesangsvereins in Holzweiler und dem des Wirth-Werkschors ,Glück Auf' neue Sänger zu uns stoßen, hat sich nicht erfüllt", bedauert Günter Hoffmann, der vormalige Vorsitzende.

Seit 2011 besteht die Chorgemeinschaft mit den Freunden aus Lövenich. Dadurch kommt der vierstimmige Männerchor auf 25 Sänger. Ob es jemals mehr werden? "Vielleicht gibt uns ja das Jubiläumskonzert einen neuen Schub und wir gewinnen dadurch neue Mitglieder", hofft Goertz.

Es gebe nicht nur einen Grund, warum der "Städtische" langsam und anscheinend unaufhaltsam zu seinem Ende gelangen wird. "Die Jugend hat kein Interesse", glaubt Dickert zu wissen. "Ein Männerchor mit vier unterschiedlichen Stimmlagen ist schon anspruchsvoll und verlangt akribisches Üben." Aber es sei nicht einfach, dafür junge Menschen zu begeistern.

"Sie wollen Abwechslung. Und sie wollen sich nicht an einen Verein binden." Dickert sieht daher zwei Aspekte: Zum einem drängen interessierte Sänger in Projektchöre, zum anderen geht das Interesse an einer Mitgliedschaft in Vereinen verloren. Für Beck gibt es noch einen anderen Grund für den Niedergang der klassischen Männerchöre: Viele bekannte und beliebte, vor allem moderne Lieder sind in Englisch oder anderen Sprachen. Damit sind viele Sänger überfordert. "Dabei haben wir so viel deutsches Liedgut. Das verschwindet mit der Zeit, wenn auch die Männerchöre verschwinden."

Der "Städtische" in den 1980er Jahren vor haus Spiess. Am Samstag feiert der Männergesangverein sein 175-jähriges Bestehen. FOTO: VEREIN
Der "Städtische" in den 1980er Jahren vor haus Spiess. Am Samstag feiert der Männergesangverein sein 175-jähriges Bestehen. FOTO: VEREIN

Die Suche nach einem Weg, der in eine sichere Zukunft führt, gestaltet sich schwierig. Es bestehen Zweifel bei den Vorstandsmitgliedern, ob ein Wandel zu einem zweistimmigen Chor "auf kleiner Flamme" langfristig Erfolg bringt. Oder sollte der "Städtische" als eine Art übergeordnete Instanz fungieren, unter deren Dach sich Männerchöre und Männer aus Kirchenchören zusammenfinden? Oder liegt die Zukunft in einem gemischten Chor? Fragen, die der Verein diskutiert, auf die er aber noch keine Antworten hat.

Das 175-Jährige ist nicht das einzige Jubiläum, das nicht unbedingt unter einem guten Stern steht. Sowohl das 75-jährige Bestehen als auch das 100-Jährige konnten nicht gefeiert werden, weil es in die Zeiten der Weltkriege fiel. Das 125. Stiftungsfest in der Stadthalle, von dem sich der "Städtische" eine Initialzündung für einen neuen Aufschwung erhofft hatte, brachte 1968 nicht den gewünschten Erfolg.

Zeitweise gab es überhaupt keine Konzerte mehr. Doch hangelte sich der "Städtische" immer wieder durch die Zeit, veranstaltete auch Gemeinschaftskonzerte, um jetzt, im Jahr des 175-jährigen Bestehens, wieder vor einer Zäsur und der bangen Frage zu stehen: Ist das unser letztes Jubiläum?

(Quelle: Rheinische Post vom 18.04.2018)
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